Mittwoch, 25. Juni 2008

Vancouver

Ich bin gerade vor meinem Flug nach Berlin für eine Nacht noch einmal in Palo Alto und habe ein paar schöne Tage in Vancouver verbracht. Einem Bekannten von mir hatte ich beim Bier von dieser Reise erzählt und er gab mir die E-Mail-Adresse seines Freunds Richard, der dort lebt. Der wiederum lud mich direkt ein auf seiner Couch zu schlafen und war ein netter und herzlicher Gastgeber. Richard ist ein mittlerweile pensionierter lutheranischer Pfarrer, der in den 70ern neun Jahre lang in Deutschland lebte und daher einige Geschichten von damals auf Lager hatte. Er benutzt beim Erzählen eine ungewöhnliche Bandbreite verschiedener Stimmlagen - wahrscheinlich färbt das Predigen auf den Alltag ab.

Meine Zeit in Vancouver verbrachte ich wieder hauptsächlich mit Laufen. Es gibt dort einen sehr großen Park direkt am Meer, mit verschiedenen netten Aussichtspunkten, einem Wasserspielpark für Kinder und einem großen Aquarium. Letzteres fand ich eher anstrengend, weil wirklich viel zu viele Kinder und Kinderwagen da waren. Dafür konnte man aber eine Belugamutter mit jungem Kalb sehen, um die es einen Knut-ähnlichen Hype zu geben scheint. Die Belugas (und die Otter) kann man sogar per Webcam beobachten. Noch besser fand ich allerdings das Kunstmuseum, in dem es die nach eigenen Angaben erste Ausstellung gab, die Comics, Mangas, Animes, Videospiele und animierte Filme aller Art in einen gemeinsamen Kontext setzt. Weiter oben wurden zwei Performance-Künstler gezeigt, Belmore und Huan, was mich in eine Art faszinierten Verstörungszustand versetzte.

Ähnlich erging es mir auf dem Jazz-Festival, das zufälligerweise gerade an meinem langen Wochenende in Vancouver begann. Dort besuchte ich nämlich zum ersten Mal ein Free Jazz Konzert und musste mich ein wenig anstrengen Strukturen in dem scheinbar von den Musikern jeweils autistisch erzeugten Gesamtgeräuschteppich zu erkennen. Es überwog jedoch deutlich die Faszination, besonders dann, wenn der Bassist mit angestrengtem Gesicht unerahnte Töne produzierte oder der Schlagzeuger sehr Unkonventionelles auf die Snare warf (Teller und Handtücher beispielsweise). Doch das Jazzfestival war nicht das einzige unerwartete Großevent, in das ich hereinstolperte. Nach einer Fahrt in einem Aquabus (eine Art Minibootlinie) geriet ich in ein großes Drachenbootrennen und hatte ein nettes Schwätzchen mit einem Ingenieur aus Portland, dessen Frau die Einpeitscherin einer der Teams war.

Beim Herumstromern durch die verschiedenen und angenehm unterschiedlichen Stadtteile Vancouvers machte ich nicht nur viele Bilder, sondern auch schöne Bekanntschaften. An einem Abend hatte ich nämlich ein Ticket für einen Aussichtspunkt über die Stadt gekauft und den Blick und die Abendsonne genossen, wollte aber das für einen ganzen Tag gültige Ticket nicht ungenutzt wegwerfen. Als mir drei Kerle mit Kameras und teils niederländischen Akzenten über den Weg liefen, drückte ich es ihnen daher einfach in die hand und wir unterhielten uns kurz. Just am nächsten Tag trafen wir uns dann im Ethnologischen Museum zufällig wieder und sahen gemeinsam eine Ausstellung über die Ureinwohner Kanadas und Alaskas. Und da wir uns gut verstanden luden mich die drei ein mit zu einer großen Hängebrücke in einem Park etwas nördlich der Stadt zu kommen.

Kevin und Remco sind tatsächlich Niederländer, die ihren Cousin Brian hier besuchen und gerade am Anfang einer vierwöchigen Riesentour durch Kanada stehen. Mit Brians Freundin Morgan und einem Kofferraum voll Picknickproviant fuhren wir dann tatsächlich zu der Hängebrücke und wanderten ein wenig den dazugehörigen Fluss in einem kleineren Nationalpark entlang. Wir entschieden uns übrigens für die kleinere von zwei Hängebrücken im Umland Vancouvers. Die andere ist die größte und längste Hängebrücke der Welt und kostet knapp $30 Eintritt, während die andere nur unwesentlich kleiner und kürzer, dafür aber kostenlos ist. Abends trafen wir uns dann zu einer Kneipentour wieder, die es ziemlich in sich hatte. Brian und Morgan scheinen hier in so ziemlich jeder Kneipe einen Deckel zu haben, auf den sie anschreiben lassen können, und kennen vermutlich jeden einzelnen Kneipier persönlich. Zumindest zahlten sie für unsere Getränke fast gar nichts (in der ersten Kneipe beispielsweise $20 für acht Leute mit je mehreren Bieren) und die Nacht war dementsprechend lang und rauschend.

Meinen nächsten und letzten Tag verbrachte ich daher etwas ruhiger und begann mit einem Bummel über den Punjabi-Markt und einem überfallartigen Sturm auf ein indisches Mittagsbüffet. In einem Café, in dem ich am Nachmittag eine Pause machte, fragte ich einen anderen Gast nach dem Internetpasswort und wurde daraufhin in der folgenden halben Stunde mit erschreckender Regelmäßigkeit von ihm über Primzahlen und seine Kopfrechenfähigkeiten vollgetextet. Ich schaffte es aber dennoch mich einigermaßen zu entspannen und schlenderte danach weiter zu dem Jazzkonzert, das ich mir mit Richard zum Abschluss ansah. Nun bin ich wieder kurz in Palo Alto, nach einem verkorksten Rückreisetag mit verspätetem Flug, und habe Helen noch einmal getroffen und meine Koffer fertig gepackt. In ein paar Stunden sitze ich im Flieger nach Berlin...

Freitag, 20. Juni 2008

Seattle

Ich sitze gerade in der Bibliothek in Downtown Seattle, einem tollen Koolhaas-Gebäude mit kostenlosem Internetzugang sowie Büchern und Filmen für jeden. Mein Reiserucksack wartet am Bahnhof auf mich und gleich mache ich mich auf den Weg nach Vancouver. Ich habe hier drei wunderbare, entspannte Tage verbracht - in dem besten Hostel, das ich bislang kenne. Es lag zwar etwas außerhalb, hatte dafür aber Seeblick, wunderbar neue und blitzsaubere Küche und Badezimmer und sehr nette Leute, mit denen ich schöne Abende verbracht habe. Das war besonders wertvoll als ich ziemlich abgekämpft hier aus Portland ankam. Das Nahverkehrssystem hier ist ein wenig gewöhnungsbedürftig und hatte mich, der ich ohnehin übermüdet war, ziemlich genervt. Wahrscheinlich war ich aber auch noch vom Bahnhof in Portland beeindruckt, in dem ich die vermutlich unpraktischste Zug-Organisation der Welt erlebt hatte: Die Tickets kann man erst online bestellen, muss sie dann am Automaten am Bahnhof abholen, dann nach einer langen Schlange mit dem Ticket einen Sitzplatz zugewiesen kriegen und dann in einer noch längeren Schlange mit warten bis man mit Ticket und Sitznummer zum Gleis gelassen wird. Ich halte das für eine Leistung!

Hier in Seattle bin ich vor allen Dingen wieder viel gelaufen, habe die üblichen Wahrzeichen der Stadt gesehen, und ein paar Bilder gemacht. In der Gegend der Uni war ich aber auch in einigen Parks und Gärten unterwegs und habe eine Buchhandlung gefunden, die nur Lyrik verkauft. Es ist eine von nur zwei in den ganzen USA, doch deren Überleben ist trotzdem bewundernswert. In einem Science Fiction Museum sah ich Ripley's Waffe aus Alien I und habe eine unmissverständliche Einladung eines nicht sehr sympathischen schwulen Pärchens ausgeschlagen. In dem Musikmuseum nebenan wurde ich zwar nicht angebaggert, sah aber eine Ausstellung über Jimi Hendrix und Eric Claptons ehemalige Lieblingsgitarre. Auch insgesamt sind mir viele wunderliche Leute über den Weg gelaufen, die beispielsweise Passanten beschimpften oder einfach nur herumbrüllten. An der Bushaltestelle beim Hostel lief mir an einem Tag sogar zweimal derselbe Gothic-Typ mit (vermutlich) zweimal derselben Schlange auf den Schultern über den Weg und schaute mich streng an. Viele andere Gäste im Hostel hatten ähnliche Geschichten auf Lager.

Vielleicht liegt es aber auch an Seattle selbst oder zumindest einer gewissen Tradition von wunderlichen Gestalten. In einer Untergrundführung habe ich nämlich folgendes über die Geschichte der Stadt erfahren: Ursprünglich wurde die Stadt auf Meereshöhe gebaut, nachdem man den sandigen Boden einfach mit Sägespänen zugekippt hatte. Deswegen sank aber alles nach und nach ein und die Leute waren ziemlich verzweifelt. Ein großes Feuer 1889, das 33 Blocks völlig verwüstete, nahm die Stadt dann zum Anlass, die Gegend im Stadtzentrum diesmal besser zu befestigen. Den Grundbesitzern, die dort Geschäfte betreiben wollten, dauerte das aber zu lange und sie bauten einfach drauflos. Daraufhin setzte die Stadt, die alles eigentlich mit Schutt und Geröll auf drei Meter über den Meeresspiegel heben wollte, kurzerhand die Straßen neben den Gebäuden drei Meter höher! So musste man vom Bürgersteig aus mit einer Leiter auf die Straße klettern und an der anderen Seite wieder hinabsteigen. Das wiederum war gefährlich, da schwere Dinge auf die Leute auf den Bürgersteig fielen, und die Stadt kleisterte die Bürgersteige schließlich mit Stahlträgern, gemauerten Bögen und Beton zu, sodass man von der Straße in den ersten Stock einsteigen konnte. Die meisten bevorzugten aber wegen des oft schlechten Wetters hier die so überdachten Bürgersteige im Erdgeschoss und deren Unübersichtlichkeit sorgte wiederum für eine hohe Krimilnalitätsrate. Daher wurden schließlich alle Zugänge versigelt und der Untergrund - oder eher "das Erdgeschoss" - geschlossen. Seit wenigen Jahren kann man nun aber einige Teile davon besichtigen. Die Führer auf diesen Touren halten sich allerdings ungerechtfertigterweise für Stand-up-Comedians - und das obwohl die Materie alleine schon lustig genug ist.

Montag, 16. Juni 2008

Portland

Nach einer ungewöhnlich kurzen Pause kann ich hier schon ein wenig von Portland erzählen. Hier habe ich nämlich nur zwei Tage verbracht, ehe ich morgen früh in den Zug nach Seattle springe. Beide Tage hier waren allerdings hervorragend. Mein ständiges Gehuste durch die schlechte Luft in LA habe ich durch eine Packung Kirschhustenbonbons und viel Draußensein in schönen Parks und Gärten hinter mich gebracht. Hier gibt es einen großen Rosengarten mit tausenderlei verschiedenen Arten, deren Namen teilweise sehr wunderlich sind. (Meine Lieblingsbeispiele "Erfurt" und "Helmut Schmidt" sind erschreckenderweise repräsentativ.) Dazu habe ich einen japanischen und einen chinesischen Garten gesehen, jeweils mit authentischer Gestaltung, die in kleinen Prospekten erklärt wird. Vielleicht liegt es wirklich am Kontrast mit LA, aber all das Grün war definitiv das Beste hier für mich.

Drumherum gab es allerdings auch ein paar schöne Dinge zu tun, beispielsweise exzessives Stöbern im größten Buchladen der USA, bei dem ich mir immer wieder klar machen musste, wie voll meine Koffer schon sind. Das Kunstmuseum hier hatte eine eher unkonventionelle Gesamtausstellung, in der mehr oder weniger von allem etwas jeweils in Zwei-bis-drei-Zimmer-Paketchen zu sehen war: Lokales, Modernes, Klassisches, Chinesisches, Japanisches, Persisches und Indianisches. Beim Herumlaufen in der Stadt lief mir heute netterweise sogar eine Pride Parade über den weg, bei der sich Exzentrisches mit Religiösem mischte. Neben abgefahrenen Kostümen liefen dort nämlich mehrere Dutzend Kirchengemeinden mit, alle mit Regenbogenflaggen und offenen Armen für alle sexuellen Orientierungen.

Jetzt sitze ich mit knurrendem Magen in meinem Hostel und habe gerade meine Bilder von Portland hochgeladen. Wahrscheinlich sitze ich später wieder mit ein paar anderen Gästen zusammen, auch wenn das gestern zum Teil wieder klischeehaft und seltsam war. Irgendwer hat begonnen über den Klimawandel zu reden und zwei junge Amerikanerinnen ergingen sich in Selbstmitleid darüber, wie schwer das Wissen darum zu ertragen sei und dass sie sich lieber gar nicht damit beschäftigen wollten. Währenddessen behauptete ein Bulgare, dass die Reichen den Klimawandel doch nur benutzen würden, um die Armen auszubeuten - durch höhere Steuern und teure umweltfreundliche Technologie. Später haute er sogar raus, dass Frauen Männern wegen der alten Rippengeschichte untergeordnet sind. Das war ziemlich unangenehm, aber irgendwann konnten wir das Thema wechseln und der Kerl ging ins Bett.

Sonntag, 15. Juni 2008

Los Angeles

Ich bin gerade auf dem Weg von Los Angeles nach Portland. Mein letztes Wochenende in Palo Alto habe ich mit letzten Treffen mit Freunden und dem heroischen Versuch verbracht, alle meine Bücher und Unterlagen in meinen Koffer zu quetschen. Es sieht ganz gut aus, aber ob das was das Gewicht angeht auch hinkommt, sehe ich wohl erst beim Einchecken zum Flug nach Frankfurt. An meinem letzten Samstagabend habe ich mir eine Mitternachtsvorstellung der Rocky Horror Picture Show angesehen, komplett mit Schauspielern, Mitsingen, Tanz und reingerufenen Kommentaren. Das war ganz schön verrückt, aber auch ziemlich witzig - eben etwas, was man nicht unbedingt lieben, aber mindestens einmal erlebt haben muss.

Am Montagmorgen bin ich dann nach LA geflogen und habe mich auf einer Couch bei Jean einquartiert. Gemeinsam mit seinem Mitbewohner Josh lebt er dort in einem sehr netten Apartment zwischen Hollywood und Santa Monica und im Wohnzimmer steht eine perverse Anzahl von vier gemütlichen Couches. Es war sehr schön bei den beiden zu wohnen, zusammen zu kochen und beim Frühstücken das eine oder andere EM-Spiel zu sehen. Von dort aus konnte ich dann auch die Stadt erkunden, wofür ich mir - da ich das Geld für ein Hostel sparte - einen Mietwagen geleistet hatte. In LA ist das im Grunde auch das A und O, denn die Stadt ist, gelinde gesagt, wahnsinnig groß und die Entfernungen zwischen den verschiedenen interessanten Dingen, die ich sehen wollte, lassen sich nur mit großen Zeit- und Nervenverlust per Bus überbrücken. Der Stadtverkehr war zwar auch manchmal recht anstrengend, aber insgesamt ich kam erstaunlich gut zurecht (wahrscheinlich auch weil ich wieder eine lokale Jazz-Radiostation fand).

Das beste an meiner Zeit in LA waren die vielen Museen, die ich hier besuchen konnte, allen voran das Getty Center, nördlich der Stadt in den Hügeln. Dort sah ich, neben einer großen permanenten Ausstellung, auch eine Sonderausstellung mit Fotos von August Sander, der im frühen 20. Jahrhundert mit Bildern von Stadtbewohnern in Köln und Landbewohnern im Westerwald eine Art Gesamtporträt der deutschen Bevölkerung von damals erstellt hat. Außerdem gibt es dort einen wunderbaren, leicht futuristischen Garten, in dem man sich schön entspannen und den Blick auf die Stadt genießen kann. Neben dem Getty schaffte ich es auch in zwei weitere Kunstmuseen, das LACMA und das MOCA, hatte bei beiden allerdings Pech. Im MOCA wandelte ich durch meist interaktive und faszinierende, manchmal aber schwer zugängliche Großinstallationen von Gegenwartskunst, doch ein guter Teil war wegen Renovierung und Umbau geschlossen. Und im LACMA freute ich mich zwar über die Ausstellung deutscher Expressionisten und einen Teil mit Gegenwartsfotografie, doch der Teil mit Fotos von Ansel Adams und Henri Cartier-Bresson war geschlossen. Immerhin gab es aber viele Skulpturen von Giacometti. Die machen mich immer glücklich.

Die meisten der zweifelhaft berühmten Orte in LA habe ich mir auch angesehen, bin beispielsweise durch Beverlz Hills und Bel Air gefahren und habe den Strand in Santa Monica und Venice Beach gesehen - mit verrückten Muskelmännern, Tatoostudios und Headshops. Nur ein paar Blocks von dort kann man allerdings die Venice Canals sehen, die dem Stadtteil den Namen gaben. Mitten in der Großstadt liegen dort wunderschöne, teils schicke und supermoderne Häuser direkt an kleinen Kanälen. Alle sind reich und haben tolle Gärten, Dachterrassen und Boote vor dem Haus. Natürlich bin ich auch den Hollywood Boulevard langgelaufen, wo die Oscars vergeben werden und die Sterne mit den Starnamen auf dem Boden sind. Es ist allerdings eine ziemlich unspektakuläre Straße mit vielen Ramschläden in einer eher schlechten Gegend. Die Sterne auf dem Boden ändern das auch nicht wirklich, besonders dann wenn da "Chuck Norris" oder "David Hasselhoff" steht.

Gelegenheit zum Draußensein gab es in LA nur wenig. Einmal bin ich mit Jean ein wenig in Griffith Park im Norden der Stadt gewandert, wo es ein Obersvatorium gibt, von dem aus man den "Hollywood"-Schriftzug ganz gut sehen kann. Der war allerdings - wie auch der gesamte Horizont - von einem hellbräunlichen Smog-Nebel-Streifen verschleiert. Einen anderen Spaziergang machten wir in einem kleinen Park, in dem es kleine Seen mit Teer darin gibt. Wie ein kleines Museum lehrt, hat die tückische Tektonik hier eine Teerschicht an die Erdoberfläche gedrückt und unachtsame Tiere darin gefangen. So sind dort Skelette von mittlerweile ausgestorbenen Spezies hervorragend erhalten und liegen zum Ausgraben bereit. Einige davon kann man in dem Museum auch sehen, Säbelzahntiger beispielsweise, Riesenfaultiere und Mammuts. Mein größter Marsch stand aber an meinem letzten Tag an als ich lange in Downtown, Chinatown, Little Tokyo und dem Financial District herumlief. Recht erschöpft bin ich dann abends mit Jean und Josh zum Abschluss hervorragend essen gegangen, in einem sehr angesagten Nobelrestaurant mit guten Weinen und vielen kleinen Gerichten, die man gemeinsam zum Teilen bestellt.

Ich habe diesen Eintrag in Etappen geschrieben und sitze mittlerweile in einem hippen vegetarischen Café in Portland. Gerade bauen Musiker die Bühne um und ihre Instrumente auf, ich habe eine Spinat-Feta-Quiche im Magen und bin vom Flug und vom vielen Herumlaufen heute ziemlich geplättet. Ehe ich im nächsten Eintrag aber davon berichte, gibt es hier noch ein paar Bilder aus Los Angeles zu sehen. Ich muss jetzt erst einmal aufpassen, dass ich nicht auf der gemütlichen Couch einknacke.

Freitag, 6. Juni 2008

Yosemite, Besuch und Abschied

In drei Tagen ziehe ich aus meinem Zimmner hier in Palo Alto aus und dementsprechend sitze ich hier ein wenig im Pack- und Putzchaos. Gestern waren meine letzten Kurssitzungen, heute habe ich noch einen letzten Sprechstundentermin und dann habe ich das Akademische in Stanford auch hinter mir. Dann gibt es nur noch eine Handvoll Treffen mit guten Freunden, einen Hausputz und schließlich den Abflug. Manchmal fühlt es sich sehr seltsam an, dass meine Zeit hier schon zu Ende sein soll, denn meine Freunde hier werde ich ziemlich vermissen und das Studieren hat mir sehr gut gefallen. Allerdings freue ich mich auch schon wahnsinnig auf Berlin und besonders auf Kilu. Es ist eine eigentümliche Mischung aus Gedanken und Gefühlen, die mich momentan überall begleitet, aber sie ist schön. Zwischen meiner Abreise hier und der Ankunft in Berlin werde ich aber auch noch zwei Wochen reisend hier in Amerika verbringen. Ich besuche Jean in Los Angeles und fahre dann mit dem Zug durch den pazifischen Nordwesten, von Portland nach Seattle und dann nach Vancouver. Über all den Eindrücken dort wird mir der Übergang vom kalifornischen zum Berliner Leben wahrscheinlich dann erst so richtig klar werden...

Ehe Ihr von dieser Reise (ich nehme mir vor: halbwegs regelmäßig) lesen könnt, habe ich aber auch noch ein wenig von meiner letzten Zeit hier zu berichten. Vor zwei Wochen war ich beispielsweise mit Marcello und Pedro im Yosemite National Park, wo ich schon lange endlich hinwollte. Passenderweise hatten wir uns das Wochenende vor dem Memorial Day ausgesucht, wo schon sehr viele Unterkunftsmöglichkeiten ausgebucht waren. Nach langem Telefonieren fanden wir aber schließlich eine nette kleine Lodge ein paar Meilen außerhalb des Parks und machten uns auf den Weg. (Ich rief dort an einem Tag achtmal an, weil die Frau an der Buchungshotline mir immer sagte, dass der Kerl mit dem Reservierungsbuch gerade unterwegs sei. Warum er das Ding mit sich herumtrug, wusste sie nicht.) Was die erwarteten Besuchermassen an diesem Wochenende anging, hatten wir allerdings Glück. Weil das Wetter ziemlich neblig und leicht nieselig war, trauten die sich nämlich nicht zu denselben Zeiten auf die Wanderwege wie wir. An unserem ersten Tag wanderten wir abends entlang eines großen Damms und Sees zu zwei tollen Wasserfällen und sahen viele kleine feuerrote Salamander. Und am zweiten Tag erklommen wir früh morgens auf einem gut fünf Kilometer langen Wanderweg eintausend Höhenmeter und stiegen aus einem Tal durch die Nebeldecke an den großen Yosemite Falls entlang hinauf bis zu deren Ursprung am Gipfel. Spätestens nach dem Abstieg taten uns allen allderings ordentlich die Knie weh, doch die dann zahlreicher aufsteigenden anderen Besucher störten uns so deutlich weniger. Wir gönnten uns eine Pause mit heißer Schokolade aus dem Automaten und ich fand in einem Buch- und Postkartenladen ein Kinderbuch mit dem tollen Titel "Who pooped in the park?" anhand dessen man Fuß- und Exkrementspuren Tieren zuordnen kann. Und abends besuchten wir ein Waldstück mit den Riesensequias, der größten und ältesten Baumart der Welt. Hier sind Bilder von alledem zu sehen.

Wenige Tage nach unserer Rückkehr aus dem Park - und nachdem das Wetter ironischerweise umgehend wieder strahlend sonnig geworden war - verbrachte Nils vier Tage hier mit mir. Ich musste zwar gleichzeitig meinen Univerpflichtungen nachkommen, aber wir haben trotzdem einiges zusammen unternehmen können. Beispielsweise bin ich, als wir zusammen in San Francisco unterwegs waren, endlich mal auf den Hügel im Buena Vista Park gestiegen und habe den wundervollen Ausblick dort genossen. Ehe Nils dann nach Illinois weiterflog, wo er jetzt sein Diplomabschlussprojekt angeht, feierten wir mit meinen Freunden meinen Abschied mit Grillen, Salaten und Bier unter ein paar Bäumen auf dem Campus. Dort probierten wir auch den Wein aus meinem Geburtsjahr, den mir meine Familie zu meinem Geburststag mitgebracht hatte und den ich trotz der 25 Jährchen, die er mittlerweile auf dem Buckel hat, noch sehr lecker fand. Mangels Alternativen mussten wir den aber auch aus Plastikbechern trinken, was natürlich einer mittelschweren Gotteslästerung gleichkommt. Sobald mein Vater das hier liest, bin ich wahrscheinlich enterbt. Hoffentlich gibt es immerhin keinen Familienfluch oder sowas...

Der Rest meiner vergangenen Wochen hier war eine ziemlich bunte Mischung aus verschiedensten Dingen. Unser Fulbright-Regionalbüro in San Francisco organisierte auch noch einen Abschiedsempfang in einem dekadenten Haus hier in Palo Alto, wofür ich - weil jeder eine Speise aus seinem Heimatland mitbringen sollte - einen Kartoffelsalat machte. Dazu konnte ich Nils, als er noch hier war, zum Kartoffelnschälen ausbeuten, der bei der Rezeptsuche die peinliche Domain kartoffel-salat.de entdeckte. Die Feier endete in einer ziemlichen Völlerei, bei der ich mich besonders über den deutschen Zwiebelkuchen freute. Und vor drei Tagen habe ich im Graduate Student Workshop ein wenig Work-in-Progress vorgetragen und wertvolle Anregungen gesammelt. Bei der Gelegenheit habe ich hier auch endlich mein Versprechen wahrgemacht und das Programm Argunet, womit ich in Berlin öfters gearbeitet hatte, einer größeren Gruppe vorgestellt, die auch recht angetan zu sein schien. Unverständlicherweise fuhr auf dem Weg dorthin ein Kerl in einem Golfwägelchen neben mir her, rief mir zu, dass ich gerade 15mph draufhätte und feuerte mich an, 18 zu fahren. Vorgestern vollbrachte ich aber dann tatsächlich eine sportliche Höchstleistung: In unserer geschätzten zehnten Partie Squash gewann ich endlich einmal einen Satz gegen Han. Jetzt kann ich in Frieden sterben.

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