Vancouver
Ich bin gerade vor meinem Flug nach Berlin für eine Nacht noch einmal in Palo Alto und habe ein paar schöne Tage in Vancouver verbracht. Einem Bekannten von mir hatte ich beim Bier von dieser Reise erzählt und er gab mir die E-Mail-Adresse seines Freunds Richard, der dort lebt. Der wiederum lud mich direkt ein auf seiner Couch zu schlafen und war ein netter und herzlicher Gastgeber. Richard ist ein mittlerweile pensionierter lutheranischer Pfarrer, der in den 70ern neun Jahre lang in Deutschland lebte und daher einige Geschichten von damals auf Lager hatte. Er benutzt beim Erzählen eine ungewöhnliche Bandbreite verschiedener Stimmlagen - wahrscheinlich färbt das Predigen auf den Alltag ab.
Meine Zeit in Vancouver verbrachte ich wieder hauptsächlich mit Laufen. Es gibt dort einen sehr großen Park direkt am Meer, mit verschiedenen netten Aussichtspunkten, einem Wasserspielpark für Kinder und einem großen Aquarium. Letzteres fand ich eher anstrengend, weil wirklich viel zu viele Kinder und Kinderwagen da waren. Dafür konnte man aber eine Belugamutter mit jungem Kalb sehen, um die es einen Knut-ähnlichen Hype zu geben scheint. Die Belugas (und die Otter) kann man sogar per Webcam beobachten. Noch besser fand ich allerdings das Kunstmuseum, in dem es die nach eigenen Angaben erste Ausstellung gab, die Comics, Mangas, Animes, Videospiele und animierte Filme aller Art in einen gemeinsamen Kontext setzt. Weiter oben wurden zwei Performance-Künstler gezeigt, Belmore und Huan, was mich in eine Art faszinierten Verstörungszustand versetzte.
Ähnlich erging es mir auf dem Jazz-Festival, das zufälligerweise gerade an meinem langen Wochenende in Vancouver begann. Dort besuchte ich nämlich zum ersten Mal ein Free Jazz Konzert und musste mich ein wenig anstrengen Strukturen in dem scheinbar von den Musikern jeweils autistisch erzeugten Gesamtgeräuschteppich zu erkennen. Es überwog jedoch deutlich die Faszination, besonders dann, wenn der Bassist mit angestrengtem Gesicht unerahnte Töne produzierte oder der Schlagzeuger sehr Unkonventionelles auf die Snare warf (Teller und Handtücher beispielsweise). Doch das Jazzfestival war nicht das einzige unerwartete Großevent, in das ich hereinstolperte. Nach einer Fahrt in einem Aquabus (eine Art Minibootlinie) geriet ich in ein großes Drachenbootrennen und hatte ein nettes Schwätzchen mit einem Ingenieur aus Portland, dessen Frau die Einpeitscherin einer der Teams war.
Beim Herumstromern durch die verschiedenen und angenehm unterschiedlichen Stadtteile Vancouvers machte ich nicht nur viele Bilder, sondern auch schöne Bekanntschaften. An einem Abend hatte ich nämlich ein Ticket für einen Aussichtspunkt über die Stadt gekauft und den Blick und die Abendsonne genossen, wollte aber das für einen ganzen Tag gültige Ticket nicht ungenutzt wegwerfen. Als mir drei Kerle mit Kameras und teils niederländischen Akzenten über den Weg liefen, drückte ich es ihnen daher einfach in die hand und wir unterhielten uns kurz. Just am nächsten Tag trafen wir uns dann im Ethnologischen Museum zufällig wieder und sahen gemeinsam eine Ausstellung über die Ureinwohner Kanadas und Alaskas. Und da wir uns gut verstanden luden mich die drei ein mit zu einer großen Hängebrücke in einem Park etwas nördlich der Stadt zu kommen.
Kevin und Remco sind tatsächlich Niederländer, die ihren Cousin Brian hier besuchen und gerade am Anfang einer vierwöchigen Riesentour durch Kanada stehen. Mit Brians Freundin Morgan und einem Kofferraum voll Picknickproviant fuhren wir dann tatsächlich zu der Hängebrücke und wanderten ein wenig den dazugehörigen Fluss in einem kleineren Nationalpark entlang. Wir entschieden uns übrigens für die kleinere von zwei Hängebrücken im Umland Vancouvers. Die andere ist die größte und längste Hängebrücke der Welt und kostet knapp $30 Eintritt, während die andere nur unwesentlich kleiner und kürzer, dafür aber kostenlos ist. Abends trafen wir uns dann zu einer Kneipentour wieder, die es ziemlich in sich hatte. Brian und Morgan scheinen hier in so ziemlich jeder Kneipe einen Deckel zu haben, auf den sie anschreiben lassen können, und kennen vermutlich jeden einzelnen Kneipier persönlich. Zumindest zahlten sie für unsere Getränke fast gar nichts (in der ersten Kneipe beispielsweise $20 für acht Leute mit je mehreren Bieren) und die Nacht war dementsprechend lang und rauschend.
Meinen nächsten und letzten Tag verbrachte ich daher etwas ruhiger und begann mit einem Bummel über den Punjabi-Markt und einem überfallartigen Sturm auf ein indisches Mittagsbüffet. In einem Café, in dem ich am Nachmittag eine Pause machte, fragte ich einen anderen Gast nach dem Internetpasswort und wurde daraufhin in der folgenden halben Stunde mit erschreckender Regelmäßigkeit von ihm über Primzahlen und seine Kopfrechenfähigkeiten vollgetextet. Ich schaffte es aber dennoch mich einigermaßen zu entspannen und schlenderte danach weiter zu dem Jazzkonzert, das ich mir mit Richard zum Abschluss ansah. Nun bin ich wieder kurz in Palo Alto, nach einem verkorksten Rückreisetag mit verspätetem Flug, und habe Helen noch einmal getroffen und meine Koffer fertig gepackt. In ein paar Stunden sitze ich im Flieger nach Berlin...
Meine Zeit in Vancouver verbrachte ich wieder hauptsächlich mit Laufen. Es gibt dort einen sehr großen Park direkt am Meer, mit verschiedenen netten Aussichtspunkten, einem Wasserspielpark für Kinder und einem großen Aquarium. Letzteres fand ich eher anstrengend, weil wirklich viel zu viele Kinder und Kinderwagen da waren. Dafür konnte man aber eine Belugamutter mit jungem Kalb sehen, um die es einen Knut-ähnlichen Hype zu geben scheint. Die Belugas (und die Otter) kann man sogar per Webcam beobachten. Noch besser fand ich allerdings das Kunstmuseum, in dem es die nach eigenen Angaben erste Ausstellung gab, die Comics, Mangas, Animes, Videospiele und animierte Filme aller Art in einen gemeinsamen Kontext setzt. Weiter oben wurden zwei Performance-Künstler gezeigt, Belmore und Huan, was mich in eine Art faszinierten Verstörungszustand versetzte.
Ähnlich erging es mir auf dem Jazz-Festival, das zufälligerweise gerade an meinem langen Wochenende in Vancouver begann. Dort besuchte ich nämlich zum ersten Mal ein Free Jazz Konzert und musste mich ein wenig anstrengen Strukturen in dem scheinbar von den Musikern jeweils autistisch erzeugten Gesamtgeräuschteppich zu erkennen. Es überwog jedoch deutlich die Faszination, besonders dann, wenn der Bassist mit angestrengtem Gesicht unerahnte Töne produzierte oder der Schlagzeuger sehr Unkonventionelles auf die Snare warf (Teller und Handtücher beispielsweise). Doch das Jazzfestival war nicht das einzige unerwartete Großevent, in das ich hereinstolperte. Nach einer Fahrt in einem Aquabus (eine Art Minibootlinie) geriet ich in ein großes Drachenbootrennen und hatte ein nettes Schwätzchen mit einem Ingenieur aus Portland, dessen Frau die Einpeitscherin einer der Teams war.
Beim Herumstromern durch die verschiedenen und angenehm unterschiedlichen Stadtteile Vancouvers machte ich nicht nur viele Bilder, sondern auch schöne Bekanntschaften. An einem Abend hatte ich nämlich ein Ticket für einen Aussichtspunkt über die Stadt gekauft und den Blick und die Abendsonne genossen, wollte aber das für einen ganzen Tag gültige Ticket nicht ungenutzt wegwerfen. Als mir drei Kerle mit Kameras und teils niederländischen Akzenten über den Weg liefen, drückte ich es ihnen daher einfach in die hand und wir unterhielten uns kurz. Just am nächsten Tag trafen wir uns dann im Ethnologischen Museum zufällig wieder und sahen gemeinsam eine Ausstellung über die Ureinwohner Kanadas und Alaskas. Und da wir uns gut verstanden luden mich die drei ein mit zu einer großen Hängebrücke in einem Park etwas nördlich der Stadt zu kommen.
Kevin und Remco sind tatsächlich Niederländer, die ihren Cousin Brian hier besuchen und gerade am Anfang einer vierwöchigen Riesentour durch Kanada stehen. Mit Brians Freundin Morgan und einem Kofferraum voll Picknickproviant fuhren wir dann tatsächlich zu der Hängebrücke und wanderten ein wenig den dazugehörigen Fluss in einem kleineren Nationalpark entlang. Wir entschieden uns übrigens für die kleinere von zwei Hängebrücken im Umland Vancouvers. Die andere ist die größte und längste Hängebrücke der Welt und kostet knapp $30 Eintritt, während die andere nur unwesentlich kleiner und kürzer, dafür aber kostenlos ist. Abends trafen wir uns dann zu einer Kneipentour wieder, die es ziemlich in sich hatte. Brian und Morgan scheinen hier in so ziemlich jeder Kneipe einen Deckel zu haben, auf den sie anschreiben lassen können, und kennen vermutlich jeden einzelnen Kneipier persönlich. Zumindest zahlten sie für unsere Getränke fast gar nichts (in der ersten Kneipe beispielsweise $20 für acht Leute mit je mehreren Bieren) und die Nacht war dementsprechend lang und rauschend.
Meinen nächsten und letzten Tag verbrachte ich daher etwas ruhiger und begann mit einem Bummel über den Punjabi-Markt und einem überfallartigen Sturm auf ein indisches Mittagsbüffet. In einem Café, in dem ich am Nachmittag eine Pause machte, fragte ich einen anderen Gast nach dem Internetpasswort und wurde daraufhin in der folgenden halben Stunde mit erschreckender Regelmäßigkeit von ihm über Primzahlen und seine Kopfrechenfähigkeiten vollgetextet. Ich schaffte es aber dennoch mich einigermaßen zu entspannen und schlenderte danach weiter zu dem Jazzkonzert, das ich mir mit Richard zum Abschluss ansah. Nun bin ich wieder kurz in Palo Alto, nach einem verkorksten Rückreisetag mit verspätetem Flug, und habe Helen noch einmal getroffen und meine Koffer fertig gepackt. In ein paar Stunden sitze ich im Flieger nach Berlin...
loewenstein - 25. Jun, 19:47
